SCHLIESSEN

Kirche in Holtenau...

...das ist Kirche am Meer. 

...das klingt gut.

...das ist Kirche für Jung und Alt. 

Auf einen Blick

Suche

Holtenau

Neue Wege bei Taufen, Trauungen und Bestattungen

19.02.2020 | Der Kirchengemeinderat in Holtenau hat in seiner Sitzung im Dezember einen neuen Umgang mit den Gottesdiensten zu den Wendepunkten des Lebens beschlossen. Er folgt damit einer Empfehlung der Landeskirche, neue „Grundlinien kirchlichen Handelns“ bis zum Ende 2022 zu erproben.

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt hatte auf der Landessynode im November an die besondere Bedeutung von Taufe und Abendmahl, Konfirmation, Trauung und Trauerfeier erinnert und für „einen Impuls für Offenheit und Aufbruch“ geworben. „Wir wollen eine einladende Kirche sein. Eine Kirche, die die Türen weit aufmacht. Eine Kirche, die Christus verkörpert – mit weit ausgebreiteten Armen.“ Gerade anlässlich von Taufen, Trauungen und Bestattungen kämen auch viele Menschen ohne kirchliche Bindung mit der Kirche und ihrer Botschaft in Berührung. Deshalb müsse die Kirche bereit sein, Experimente zu wagen: „Nicht um des bloßen Experimentes willen, sondern um besser zu verstehen, wie Menschen heute ihrem Glauben an das Evangelium Ausdruck verleihen wollen.“ Auch kirchenfernen und religiös suchenden Menschen sollen Zugänge zu Sakramenten und Amtshandlungen eröffnet werden.

Was ist neu? Bei der Taufe nehmen die neuen Grundlinien stärker als bisher neben der Säuglingstaufe auch die Taufe älterer Kinder und Erwachsener in den Blick. Es bleibt dabei, dass mindestens eine oder einer der Sorgeberechtigten der evangelischen Kirche angehören soll. Das Kind kann unter Umständen aber auch dann getauft werden, wenn andere für die Erziehung im christlichen Glauben Sorge tragen.

Ähnlich ist die Regelung für das Patenamt: Bei der Taufe eines Kindes versprechen Patinnen bzw. Paten gemeinsam mit den Sorgeberechtigten und im Auftrag der Gemeinde, sich um eine Erziehung ihres Patenkindes im christlichen Glauben zu bemühen. Deshalb kann eine Person, die keiner christlichen Kirche angehört oder das evangelische Verständnis der Taufe nicht teilt, das Patenamt nicht übernehmen. Wenn aber keine Patinnen bzw. Paten gefunden werden, soll die Taufe trotzdem stattfinden können.

Die Taufe ist auch weiterhin die Voraussetzung für die Teilnahme am Abendmahl. Dennoch wird niemand, die bzw. der den ernsthaften Wunsch nach Teilnahme am Abendmahl äußert, abgewiesen. Kinder und Jugendliche, die noch nicht konfirmiert sind, sind beim Abendmahl willkommen.

Bezüglich der Konfirmation hat sich die Kirchengemeinde Holtenau bereits darauf eingestellt, dass immer mehr Jugendliche nicht getauft sind. Die neuen Grundlinien halten dies nun genau so fest: Für Jugendliche, die bereits als Kinder getauft wurden, führt der Kirchliche Unterricht zur Konfirmation, für ungetaufte Jugendliche zur Taufe. Beides wird in einem einzigen Gottesdienst begangen, aber von einander unterschieden.

Auch bei der Trauung gibt es für die Gemeinde in Holtenau keine Neuerungen. Es werden Paare verschiedenen oder gleichen Geschlechts getraut. Mindestens eine Partnerin bzw. ein Partner muss Mitglied einer evangelischen Kirche sein. Ist eine Partnerin bzw. ein Partner nicht Mitglied einer christlichen Kirche, muss dies bei der Gestaltung des Gottesdienstes angemessen berücksichtigt werden. Auf Wunsch kann ein katholischer Geistlicher an der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligt werden.

Bei der kirchlichen Trauerfeier kommt besonders der seelsorgerliche Aspekt mehr ins Bewusstsein. So kann eine kirchliche Trauerfeier auf Wunsch von evangelischen Angehörigen auch dann durchgeführt werden, wenn der/die Verstorbene kein Kirchenmitglied war. Der Gottesdienst eröffnet den Angehörigen ein Ritual zur Bewältigung ihrer Trauer. Dabei muss jedoch das Verhältnis der verstorbenen Person zur Kirche und ihr bzw. sein zum Ausdruck gebrachter Wille angemessen berücksichtigt werden.

Manchen geht diese Öffnung zu weit. Sie fragen sich beispielsweise, warum jemand ein Leben lang Kirchensteuern bezahlen soll, wenn auch für Ausgetretene eine kirchliche Trauerfeier stattfinden kann. Wer so argumentiert, versteht die Kirche als Dienstleistungsunternehmen, bei dem ein Anspruch auf Inanspruchnahme von Leistungen durch die Kirchensteuern erworben wird. Die neuen Grundlinien denken Kirche anders. Sie verstehen Taufe, Abendmahl und die Gottesdienste an den Wendepunkten des Lebens als Hinwendung Gottes zu den Menschen. Die Kirche lädt zur Taufe und zur Mitgliedschaft ein und freut sich über alle, die ihr Handeln solidarisch mit finanzieren. Die Kirche öffnet ihre Türen und das ist gut so! Am Ende werden möglicherweise mehr kirchenferne Menschen so einen Zugang zu den heilsamen Ritualen der Kirche finden, als durch diese offene Tür herausgehen.